Verwilderter Park in Köln-Mülheim sucht Paten

Aufgezeichnet: Joachim Frank
Veröffentlicht: Kölner Stadtanzeiger 8.8.2016

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Ich habe es mir schon lange vorgenommen, Ihnen in meiner Kolumne einmal einen vergessenen Kölner Park vorzustellen. „Da müssen Sie nach Mülheim gehen“, riet mir Henriette Meynen, eine Spezialistin für den Kölner Festungsbau, aus dem vor knapp 100 Jahren der Äußere Grüngürtel hervorging. Im Rechtsrheinischen ist das Zwischenwerk XIb in Teilen bis heute erhalten. Ich hoffe mal, Sie kennen es noch nicht, damit mein Plan aufgeht und ich Ihnen tatsächlich etwas Altes neu nahebringen kann.

Zwischenwerke lagen im preußischen Befestigungsring aus dem 19. Jahrhundert jeweils rechts und links von den größeren Forts. Insgesamt gab es 23 solcher Anlagen. Hier waren die Besatzungen kaserniert. Das Zwischenwerk XIb an der Cottbuser Straße, 1877 bis 1879 erbaut, war für Artillerie und Infanterie ausgelegt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Befestigungsring 1922 geschleift. Die Fläche sollte eigentlich komplett zur Brache werden, aber der damalige OB Konrad Adenauer erwirkte die Genehmigung, sie als Grünanlage und Naherholungsgebiet für die Kölner Bürger umzugestalten – teils öffentlich zugänglich, teils privat genutzt in Kleingartenanlagen.

Adenauer beauftragte den Gartenbaudirektor Fritz Encke, Entwürfe für Parks zu liefern. Einer davon entstand auf dem Gelände von Zwischenwerk XIb. Die Grundidee beschreibt Henriette Meynen in einem Aufsatz so: „Im Rechtsrheinischen entwarf Encke für die Gräben des Mülheimer Zwischenwerks XIb eine besondere Ausgestaltung, indem von den Kehlpunkten aus die Flankengräben als gemächliche, gelegentlich von Treppenanlagen unterbrochene Aufstiege zum weitgehend aufgefüllten, aber dennoch ein klein wenig tiefer liegenden Frontgraben führten. Von dieser architektonisch gegliederten Gartenpartie leitete Encke über einige Stufen zum Hauptschmuckgarten auf dem Festungswerk über.“ Ich sag’s mal mit meinen Worten: Das Areal mit den ehemaligen Gräben und Wällen wurde nicht planiert, sondern hügelig belassen. Fotos aus dem Rheinischen Bildarchiv zeigen den Zustand nach der Errichtung 1927 – ein richtig schöner Schmuckgarten mit Blumenbeeten und Spazierwegen, gliedernden Sockelmäuerchen, Hecken und ansehnlichem Baumbestand. Ich finde das schon erstaunlich, weil die 1920er Jahre ja keine Zeit waren, in der besonders viel Geld dagewesen wäre.

Umso schlimmer ist dann der Vergleich der alten Parkansichten mit dem verheerenden Zustand heute. Die Blumenbeete sind verschwunden, überall wuchern Brombeersträucher und Brennnesseln, die Begrenzungsmäuerchen verfallen. Alles wirkt ungepflegt, vergammelt, lieblos. „Die Stadt Köln sorgt aber dafür, dass die Anlage nicht verwildert“, habe ich irgendwo gelesen. Das ist wirklich geschmeichelt. Dass das Grünflächenamt sich hier gelegentlich zu schaffen macht, ist nämlich vor allem daran erkennbar, dass der Grünschnitt einfach in die Landschaft gekippt worden ist, um da zu verrotten. Pflege – um von Verschönerung gar nicht erst zu reden – sieht anders aus.

Nun weiß ich auch, dass das Grünflächenamt keine unendlichen Kapazitäten hat. Deshalb kam mir eine Idee: Wie wäre es, wenn die benachbarten Kleingärtner, die ihre immerhin 70 Parzellen ja auch auf dem ehemaligen Befestigungsring verdanken, sich der Sache annähmen? Wenn sie der Stadt ehrenamtlich helfen würden, dem Park wieder annähernd seine ursprüngliche Gestalt zu geben? Als eine Art Park-Paten. Die Kleingärtner haben die Kenntnisse, sie haben das Gerät, und selbst wenn sie nur viermal zu einem gemeinsamen Arbeitseinsatz herkämen, bekäme das dem Gelände mit Sicherheit sehr gut. So ein Kleingarten in der Stadt ist ein Privileg. Wer ihn sein Eigen nennen darf, könnte der Gemeinschaft dadurch Dank erweisen, dass er ein Auge auch auf die nähere Umgebung hat.

Das alles ging mir so durch den Kopf, bis ich mich hinsetzte und daraus einen Brief an die Kleingarten-Gemeinschaft „Am Springborn“ formulierte, einen eingetragenen Verein  mit Vorstand, Vereinsadresse und allem Pipapo. Leider wurde ich noch nicht einmal einer Antwort für würdig befunden. Vielleicht kann ich die Vereinsmitglieder auf diesem Weg motivieren, über meinen Vorschlag zumindest einmal nachzudenken. Mit dem einen oder anderen neu bepflanzten Beet, ohne das ganze Unkraut, könnte hier ein wunderbares, charmantes kleines Naherholungsgebiet entstehen – oder besser: wiederentstehen.

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