Eine Perlenketteprägnanter Pumpwerke

Barbara Schock-Werner lobt die ästhetische Gestaltung der Zweckbauten am Kölner Rheinufer

Aufgezeichnet: Joachim Frank
Veröffentlicht: Kölner Stadtanzeiger

Bayental

Bayental

Auf jeden Beitrag in dieser Serie erhalte ich eine Menge Leser-Reaktionen, was mich natürlich sehr freut. Besonders hoch ist die Resonanz, wenn ich Ärgernisse im Stadtbild „auf den Punkt“ bringe. „Toll, dass Sie das machen, bleiben Sie dran!“, sagen mir dann die Leute. Klar, das werde ich auch. Aber eben nicht nur. Ich will ja nicht als die Meckertante vom Dienst durch Köln laufen, sondern Ihren Blick auf Gebäude, Kunstwerke oder städtebauliche Details lenken, die kaum bekannt sind oder nur den Fachleuten auffallen. Es gibt halt in Köln sehr viel Ungewöhnliches – im Negativen wie im Positiven.

Deshalb möchte die Stadt Köln heute einmal ausdrücklich loben für ein Bauprojekt, das gar nicht besser hätte laufen können. Es gibt am Rheinufer entlang  insgesamt  fünf von geplanten sieben sogenannte – und jetzt muss ich langsam sprechen, damit ich mich nicht verhaspele – „Hochwasserpumpstationen“. Was für ein tolles deutsches Bandwurmwort! Aber es beschreibt exakt, wofür die Dinger da sind: Sie sollen bei dramatisch hohen Pegelständen das Rheinwasser, das dann in die Stadt fließt und auf normalem Weg nicht mehr ablaufen kann, zurück in den Fluss pumpen. So sieht es das Hochwasserkonzept vor, das der Rat der Stadt Köln 1996 verabschiedet hat.

Rodenkirchen                                                           Rodenkirchen

Nun hätte man erwarten können, dass die zuständigen Stadtentwässerungsbetriebe sachlich-hässliche Zweckbauten ans Rheinufer stellen – Betonquader mit ein paar Löchern, um es mal laienhaft zu formulieren. Aber von wegen! Als ich auf einer Radtour in Rodenkirchen zum ersten Mal eine dieser Stationen sah, da habe ich die Augen aufgerissen und gedacht: Was ist das denn hier!? Eine gebogene Bruchsteinmauer in Verbindung mit einem Gebilde, das spielerisch aus rechteckigen braunen Metallstücken aufgeschichtet zu sein scheint. Dahinter hat der Landschaftsarchitekt Dirk Melzer zusammen mit v-architekten geschickt ein schon älteres Pumpwerk für Schmutzwasser versteckt. Die ganze Umhüllung erinnert an geschichtetes Treibholz. So etwas fällt natürlich sofort auf inmitten einer ansonsten banalen Bebauung.

Weiter rheinabwärts, in Bayenthal auf der Höhe Schönhauser Straße und schon etwas bekannter,  weil weithin sichtbar, liegt der von Kaspar Kraemer entworfene und 2005 bis 2008 gebaute Glaskubus.  Klassisch proportioniert, scheint er über der Hochwassermauer zu schweben. Mit seinem Farbspiel zeigt er  – zumindest den Eingeweihten – den Pegelstand des Rheins an: Bei Niedrigwasser leuchtet der Würfel gelb,  bei Normalstand blau. Bei Hochwasser wechselt er von orange nach rot und signalisiert: Alarm, Alarm! Ein wunderbarer Blickfang ist das in jeder Hinsicht.

Niehl     Niehl

Ähnlich ist das in Niehl, wo zwei Pumpwerke stehen, das eine gestaltet vom Kölner Architekturbüro, das andere vom Büro ASTOC. Beide fallen inmitten von Industriebauten sofort auf – fast an Skulpturen erinnernd. Wer erwartet schon solche vorzügliche individuelle Architektur in dieser Umgebung? In Mülheim schließlich haben Schlösser Architekten in Zusammenarbeit mit Professor Kazuhisa Kawamura eine Turnhalle auf das Pumpwerk am Faulbach gesetzt. So konnten sie das Grundstück von weiterer Bebauung freihalten. Turnhalle und Pumpwerk verbindet ein leuchtendes strahlendes Blau.

Die gesamte Bautengruppe hat inzwischen etliche Architekturpreise eingeheimst. Aber wer weiß das schon in Köln! Und wer weiß, wie es überhaupt dazu kam, dass im öffentlichen Raum ausnahmsweise mal nicht nach der Devise „Hauptsache billig“ gebaut wurde? Im Grunde hat die Stadt das ihrem ehemaligen Beigeordnete für Bauen und Verkehr Hubertus Oelmann, zu verdanken. Er leitete von 2001 bis 2005 die Stadtentwässerungsbetriebe und hatte das Gefühl, dass die öffentliche Akzeptanz technischer Bauten auch eine Sache der Ästhetik sei. Immerhin ist das Rheinufer ja doch die Schauseite Kölns. Dass es so was wie diese Pumpwerke braucht, das steht ja außer Frage. Wenn Sie – um ein anderes Beispiel zu nehmen – in die Philharmonie gehen, dann achten Sie mal auf den grauen Kasten links vom Eingang. „Löschwassereinspeisung“ steht darauf. Das ist sicher notwendig. Aber warum muss diese Vorrichtung in scheußlichem grauem Blech daherkommen? Und warum ausgerechnet an dieser exponierten Stelle? Da orientieren sich  irgendwelche Sachbearbeiter bei der Stadt halt allein an Technik und Budgets. Umso wichtiger ist es, dass die richtigen Leute an den entscheidenden Stellen sitzen.

Langel    Langel

So wie Hubertus Oelmann, der eben keine Betonungetüme am Rheinufer wollte, sondern – wie er selbst einmal gesagt hat – eine „Perlenkette prägnanter Pumpwerke“. Das klingt vielleicht fast schon zu poetisch für so etwas Prosaisches wie Pumpen. Aber die Intuition stimmt, die Oelmann damals gehabt und die sein Nachfolger Otto Schaaf zum Glück geteilt hat. Eine erstaunliche planerische und gestalterische Leistung, für die man den beiden Herren und der Verwaltung gar nicht genug danken kann. Andere städtische Institutionen, öffentliche Betrieb, aber auch private Bauherrn sollten sich das ruhig zum Vorbild nehmen: Köln kann etwas! Es muss nur wollen.

Für Ausflüge und detailliertere Informationen empfiehlt Barbara Schock-Werner das Buch: Hubertus Oelmann: Die Rheinflut. Entdecker-Tour. Kölner Hochwasserschutz „erfahren“, fünf Rundtouren per Rad und elf zu Fuß, Bachem-Verlag. Gebundene Ausgabe 160 Seiten, 29,95 Euro. Broschiert 64 Seiten, 6 Euro.