Archiv für den Monat: Januar 2015

Ein Ausbund an Scheußlichkeit

Flaschen_2_1Das kennen Sie sicher auch: Sie laufen durch die Stadt und denken an nichts Böses. Sie schauen sich ein bisschen um und plötzlich denken Sie, es trifft Sie der Schlag. So ging es mir vorigen Donnerstag. Auf dem Nachhauseweg entdeckte ich, dass ganz in der Nähe meiner Wohnung neue Glas-Container stehen, und ich muss sagen, solcher Ausbund an Scheußlichkeit mitten in der City ist mir seit langem nicht untergekommen: verzinkte, blecherne Boxen, ungeschlachte, überdimensionierte Mülleimer, auf die in neonroten Lettern der Firmenname „Remondis“ gespritzt ist, so als wäre der Entsorger zu allem Überfluss auch noch stolz auf diese Verirrung. Das ist ja keine Frage des Geschmacks oder des Stils. Was Remondis uns da zumutet, das kann kein Mensch schön finden.

Der Kontrast in dem Moment, als ich das erste Mal auf die neuen Container stieß, hätte kaum größer sein können. Ich kam nämlich just aus einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Wir hatten über viele geplante Wohngebiete beraten, zum Beispiel über die Bebauung des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs in Ehrenfeld, die sehr schön wird und für die die Planer gute Ideen entwickelt haben aber auch über andere Stadtbildfragen für die Zukunft Kölns. Die Planer haben richtig gute Ideen dafür entwickelt, und ich glaube, das wird sehr schön. Entsprechend gut gelaunt machte ich mich auf den Rückweg.

Aber dann diese Container! Ein Hieb mit voller Wucht – ins Stadtbild und in meine Magengrube. Da kann sich der Stadtentwicklungsausschuss die ganze Arbeit gleich schenken, wenn die Verwaltung und die von ihr beauftragten Firmen so mit dem Stadtbild umgehen.

Flaschen_1_1Bislang sind an gleichem Ort Flaschen-Sammelbehälter von JC Decaux aufgestellt gewesen, neben die Remondis jetzt die neuen gesetzt hat. Die Decaux-Container, die in ganz Köln insgesamt 60 Mal geben soll, sind kleine Litfaßsäulen, unauffällig, schlicht, ja fast elegant zu nennen, wenn so ein Wort für bessere Abfallkübel erlaubt ist. Aber jedenfalls stören sie nicht. Und sie werden offensichtlich saubergehalten, sind weder beschmiert noch beklebt. Aber genau das droht den neuen Dingern. Da gehe ich jede Wette ein.

Besonders wurmt mich dabei, dass das mal wieder Ärgern mit Ansage ist. Denn mit einem Mal erinnerte ich mich dunkel, dass Remondis schon 2013 angekündigt hatte, die 4000 alten Container an mehr als 1000 Standorten im Stadtgebiet bis zum Jahr 2015 zu ersetzen und ihre Zahl in etwa zu halbieren. Beim Stöbern im Zeitungsarchiv kam mir doch glatt unter, dass Remondis die neuen Behälter als „Mercedes unter den Depotcontainern“ bezeichnet. Dass ich nicht lache!

Ich fand auch ein wunderbares Zitat vom Betriebsleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe, Hans Peter Winkels: „Es gibt keine schönen Altglascontainer.“ Deshalb gehe es um eine „praktische und taugliche Lösung“, die optisch nicht zu sehr schmerzt. „Wir brauchen Container, die nicht zu viel Plakatierungsfläche bieten und nicht ständig mit Graffiti besprüht werden.“ Bravo, Herr Winkels, da bin ich ganz Ihrer Meinung.

Mit einem klitzekleinen Unterschied: Der Mann von den AWB sieht alle seine Anforderungen durch die neuen Blechungetüme erfüllt. Da setzt es bei mir wirklich aus. Wie kann einer, dessen Blick nicht völlig umnebelt ist, allen Ernstes so etwas behaupten?

Die weit wichtigere Frage allerdings lautet: Wer hat da bei der Stadt mal wieder nicht aufgepasst? Es ist doch ein Unding, solche Stadtraum-Killer in der Innenstadt aufzustellen. Ich weiß, dass das vielerorts in ganz Köln längst passiert ist, und wenn Sie mich fragen: Ein Wohngebiet am Stadtrand verschandeln die Dinger natürlich genauso wie das Stadtzentrum. Nur tummelt sich hier halt die Masse der Touristen.

Deshalb müsste die Stadt handeln. Es bringt schließlich überhaupt nichts, dass die Stadtplanung das Aussehen Kölns verbessern will, wenn ein städtisches Amt mit dem Hintern das einreißt, was ein anderes mühsam ins Werk setzt.

Also: Lasst die Decaux-Säulen stehen! Und lasst die neuen Container zurückgehen! Retoure an Remondis! So schnell wie möglich!