Archiv für den Monat: Januar 2014

Schaltkästen sind ein Ärgernis

Metallgehäuse verschandeln vielerorts das Stadtbild – erst recht wenn sie verdreckt sind

Aufgezeichnet:
Veröffentlicht: Aufgezeichnet von Joachim Frank

Ehrenstrasse

 

Unsere modernen Kommunikationstechniken machen es offenbar nötig, für die Datenkabel überall Schaltkästen aufzustellen. Die meisten, habe ich bei genauerem Hinsehen festgestellt, gehören der Telekom und der Post, die kleineren auch der Rheinenergie. Schöner machen diese Dinger das Stadtbild nicht. Das ist schon mal von vornherein klar. Aber die Firmen haben zusätzlich ein Talent, diese Schmuckstücke an den merkwürdigsten Orten zu platzieren. Der Architekt Peter Zumthor, ein Ästhet vor dem Herrn, hat sich schon vor Jahren darüber beschwert, dass sie einen dieser Kästen direkt an die Fassade von Kolumba geklebt haben. Den schlimmsten Fauxpas hat sich die vermutlich die Telekom – der Kasten ist nicht bezeichnet- aber jetzt vor dem Hauptbahnhof geleistet.

Bahnhofsvorplatz2004 hatte eine eigens eingesetzte Kommission, in der ich selbst saß, beschlossen, den wenig attraktiven Platz optisch durch elegante Lichtstelen aufzuwerten und ihm so ein großstädtisches Aussehen zu geben. Umso erschreckter war ich, als ich kürzlich feststellen musste: Direkt an den Fuß einer Stele hat irgendjemand eines von diesen grauen Blechscheusalen montiert. Dafür braucht es schon ein gehöriges Maß an Instinktlosigkeit. Und wie so oft frage ich mich: Wo bleibt eigentlich das Management für den öffentlichen Raum, das wir in dieser Stadt haben sollten? Ob die zuständigen Leute solche Sachen komplett verschlafen?

Und wenn ich schon beim Thema bin: Die Standorte der Schaltkästen sind das eine. Das andere, noch viel Schlimmere aber ist ihr Zustand, und zwar der Zustand nahezu aller Kästen. Unter freiem  Himmel aufgestellt, werden sie auf die Dauer schmutzig. Logisch. Also gehören sie von Zeit zu Zeit  sauber gemacht. Aber denkste! Das passiert nicht. Zumindest nicht von außen. Für das Innere dagegen, das beobachte ich häufig, rücken Firmentechniker mit Handstaubsaugern an, damit die kostbare Elektronik auch ja nicht leidet. Aber auf die Metallgehäuse verschwenden sie nicht eine Sekunde. Und dementsprechend scheußlich sehen die Kästen aus. Ich rede gar nicht so sehr von den allfälligen Graffiti. Die gibt es auch. Aber das meiste ist Dreck, ganz gemeiner Dreck.

Im Übrigen folgen die Graffiti doch auch einer bestimmten Logik: Sprayer wollen, dass ihre Tags bleiben. Deswegen gibt es zum Beispiel am Dom kaum Probleme, weil die Sprayer ganz genau wissen: Da geht jeden Morgen einer herum und wäscht ihre Graffiti ab, bevor sie von den Leuten gesehen werden. Damit ist der ganze Spaß weg, und den Sprayern vergeht die Lust. Ich glaube, gerade deswegen sind die Schaltkästen ein umso lohnenderes Ziel für Sprayer, weil sie wissen: Da kümmert sich ohnehin keiner drum.

Mediapark_2Gehen Sie mal zum Mediapark, einen ja nun wirklich sorgfältig gestalteten, aufwändig sauber gehaltenen Platz. Das einzig Schmutzige ist der Schaltkasten, den sie – wie ich finde, geradezu provokativ – an den Rand der Wasserfläche gesetzt haben. Als ob man das Ding nicht auch ein paar Meter weiter im Abgang zur Tiefgarage hätte verstecken können.

Ich vermute ja, dass Hausmeister und Platzmanager, die sich sonst um die Sauberkeit ihrer Anlagen bemühen, einen Bogen um die Kästen machen müssen, die ihnen ja nicht gehören. Wenn sie da mit ihren Hochdruck-Reinigern drangingen und durch eindringende Feuchtigkeit im Inneren irgendwas beschädigen würden, gäbe es großes Geschrei. Das Risiko werden sie nicht eingehen wollen. Ich kenne überhaupt nur eine Stelle, wo jemandem das egal zu sein scheint, das Generalvikariat des Erzbistums in der Marzellenstraße. Ich wüsste mal gern, wie der Hausmeister das macht. Heimlich, still und leise wahrscheinlich. Im Ergebnis sind dort die gar nicht mal so neuen Kästen neben dem Eingang zum Generalvikariat immer sauber.

Aber sonst? Ich meine, das ist doch sehr verwunderlich: Da geben Telekom und Post Millionen für Imagewerbung aus, aber verschandeln mit ihrem Eigentum den öffentlichen Raum. Ich will ja nicht hoffen, dass für die Firmen die Devise gilt: Merkt ja keiner, dass die Dinger uns gehören…

Nun gibt es in einigen Vierteln Schaltkästen der Rheinenergie, die nach Entwürfen aus einem Schülerwettbewerb farbenfroh bemalt worden sind. Für Wohnviertel ist das eine originelle Idee, aber in der Innenstadt nähmen sich die bunten Tupfer an jeder Ecke doch eher merkwürdig aus, denke ich. Aber selbst wenn man alle Kästen anpinseln würde: Regelmäßig säubern müsste man sie trotzdem.

Zurzeit führen wir in Köln ja intensiv die Debatte über das Bild der Stadt und ihr Schmuddelimage. Alles richtig, alles wichtig. Was mir dabei ein wenig zu kurz kommt, ist der Beitrag, den wir alle leisten können, damit sich daran etwas ändert. Es ist schließlich nicht der Oberbürgermeister, der den Dreck auf die Straße schmeißt. Es sind die Leute selber. Ich bin nun bestimmt keine Putzhexe, die meint, in einer Großstadt müsse alles blitzblank und chemisch rein sein wie auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Aber ich finde schon auch: Die Sauberkeit des öffentlichen Raums hängt mit davon ab, wie wir uns als Bürger darin benehmen. Immer nur Nölen und Nörgeln, das reicht mir nicht. Ein bisschen mehr bürgerschaftliches Engagement wäre schon auch gut. Genauso sehe ich Institutionen und Unternehmen in der Pflicht. Wie die Schmutzkästen zum Schmuddelbild der Kölner City beitragen, das jedenfalls ist eine echte Schande für Telekom und Post.