Archiv für den Monat: Mai 2013

Die Bastei als idealer Zwischenstopp

Aufgezeichnet: Joachim Frank
Veröffentlicht: Kölner Stadtanzeiger

Bastei-koeln_1Als gebürtige Stuttgarterin bin ich mit dem Fahrrad allenfalls dilettierend unterwegs. In meiner Heimatstadt mit ihren starken Steigungen, da fuhr man einfach nicht Rad. Deshalb war ich als Teenie bei meinem ersten Besuch in München ganz erstaunt über die vielen Radler. Bis ich begriffen habe: Das war die Normalität – und Stuttgart die Ausnahme. So habe ich selbst erst als Studentin Radfahren gelernt und fühle mich auf zwei Rädern bis heute unwohl im Getümmel. Mittenmang in den Kölner Verkehr – das traue ich mich nach wie vor nicht. Aber am Rheinufer radle ich sehr gerne auf und ab, genieße das Panorama und den Blick auf architektonische  Juwelen längs des Flusses.

Meine vorige Kolumne hatte ich ja dem Tanzbrunnen gewidmet. Diesmal bleibe ich linksrheinisch, bei einem Gebäude, das auch fast jeder Kölner kennt, ohne es als etwas ganz Besonderes abgespeichert zu haben: die Bastei.

1891 hatten die Preußen die Rheinfront mit Bollwerken versehen und dabei  am Ufer entlang auch etliche Türme gebaut, während die mittelalterliche Stadt zum Fluss nicht eigens befestigt war. Ob das Ende des 19. Jahrhunderts militärisch noch sinnvoll war – fragen Sie mich nicht! Wahrscheinlich ist es mit Bastionen so wie mit Waffen: Man schafft sie für großes Geld an und ist froh, wenn man sie am Ende nicht braucht. Die ganze Anlage war jedenfalls spätestens nach dem Ersten Weltkrieg überflüssig geworden. Und so errichtete der Wilhelm Riphahn schon 1924 ein Restaurant auf dem Untergeschoss eines Bastionsturms, das mit seinen Kanonenöffnungen bis heute gut sichtbar ist. Anfangs muss oben alles offen gewesen sein. Aber ich schätze, das war dann doch etwas ungemütlich. Die Terrasse, die da über dem Rhein schwebt, wurde jedenfalls relativ schnell verglast.

Beim Baujahr habe ich ganz bewusst „schon 1924“ gesagt. Man muss sich klar machen, dass Riphahns weit auskragende Stahlkonstruktion zur damaligen Zeit ungeheuer modern und kühn war. Niemand käme spontan auf die Idee, sie in den 1920er Jahren anzusiedeln. „Was, so früh, schon vor dem Krieg?“ – das höre ich öfter, wenn ich das Datum der Errichtung erwähne.

Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde die Bastei von Riphahn selbst 1959 repariert, und es soll als Restaurant sehr beliebt gewesen sein. So wie beim Tanzbrunnen werden viele alte Kölner bestimmt persönliche Erinnerungen an diese Zeit haben. Die Stadt als Eigentümerin hat die Bastei dann mit einem sehr langen Pachtvertrag an die Blatzheim-Betriebe gegeben. Die haben sie zugemacht, weil sie fanden, der Betrieb rentiere sich nicht. Man kann den Raum aber mieten, wenn man ein Fest geben möchte. So war ich einmal drin, als Gast einer Karnevalsgesellschaft, und ich fand: Man sitzt wirklich sehr chic dort oben. Den meisten Kölnern aber ist die Bastei trotzdem entzogen. Das finde ich schade, und man sollte überlegen, ob man nicht ein junges Gastronomen-Team für eine Wiederöffnung gewinnen kann. Schließlich bietet die ausgesprochen beliebte Rheinpromenade zwischen dem Schokoladenmuseum und dem Alten Schwimmbad in Riehl keine Möglichkeit zum Einkehren. Und das ist ja nun schon eine sehr lange Strecke. Die Bastei wäre somit einerseits der ideale Ort für einen Zwischenstopp auf einen Kaffee oder ein Bier. Andererseits käme auch das Gebäude selbst wieder mehr ins Bewusstsein – als einer der ungewöhnlichsten Bauten der frühen 1920er Jahre. Das ist ja bei Gebäuden immer so: Nur was genutzt wird, fällt auch auf.

Der Innenraum ist zwar nicht besonders groß. Ergänzt um eine Außengastronomie, wie im Alten Schwimmbad, sollte sich der Betrieb für einen pfiffigen, experimentierfreudigen Wirt aber rechnen. Mir ist schon klar: Der Denkmalschutz macht es nicht ganz einfach, die Auflagen für Küche und Toilettenanlagen zu erfüllen. Gemeinsam mit dem neuen Stadtkonservator ließe sich jedoch bestimmt eine denkmalverträgliche Lösung finden, zumal der Ratschlag – um aus dem Nähkästchen zu plaudern – vom ehemaligen Stadtkonservator Ulrich Krings kommt. Das spricht sehr dafür, das alte Dombaumeister-Motto anzuwenden: Geht nicht gibt’s nicht.

Damit Sie jetzt nicht denken, ich spielte heimlich mit dem Gedanken, auf meine alten Tage unter die Kneipiers zu gehen, sei betont: Ich denke bei der Bastei ausschließlich als mögliche Nutznießerin – und eben als Architektin. Riphahns Verbindung von Rundbau und Zackendach ist nämlich etwas sehr Zeittypisches. Die 1920er Jahre hatten zum einen das Rund neu entdeckt, etwa in den berühmten runden Treppenhäusern Erich Mendelssohns. Mit dem Dach wiederum nimmt Riphahn die Vorliebe des Expressionismus für Ecken und Kanten auf. Im Zusammenspiel ist so ein aufregendes Stück Baukunst entstanden.  Und so ist die Bastei tatsächlich ein beachtlicher Beitrag zu Ruhm und Ehre Kölns als Stadt der Architektur.